Ängste gehören zum Leben und helfen, Gefahren zu erkennen und angemessen auf Herausforderungen zu reagieren. Problematisch werden sie jedoch, wenn sie dauerhaft bestehen oder den Alltag stark beeinträchtigen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) lebt weltweit bereits jeder siebte Mensch zwischen 10 und 19 Jahren mit einer psychischen Erkrankung. Zu den häufigsten zählen Angststörungen. Auch in Deutschland ist fast jede fünfte Person unter 18 Jahren innerhalb eines Jahres von einer psychischen Störung betroffen. Experten beobachten seit Jahren eine steigende Zahl betroffener Jugendlicher. Umso wichtiger ist es, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und ernst zu nehmen.
Das jugendliche Gehirn reagiert besonders sensibel
Jugendliche stehen täglich unter vielfältigem Druck – von Schule und Ausbildung über familiäre Konflikte bis hin zu sozialen Beziehungen. Hinzu kommen die ständige Erreichbarkeit über digitale Medien, der Vergleich mit anderen in sozialen Netzwerken sowie Sorgen um die eigene Zukunft. Gleichzeitig befinden sich wichtige Hirnregionen für Emotionsregulation und Stressbewältigung noch in der Entwicklung. Anhaltender Stress kann deshalb Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Erschöpfung oder emotionale Überforderung begünstigen.
Dennoch bietet diese Lebensphase auch große Chancen. Das Gehirn ist besonders anpassungsfähig und kann gesunde Strategien zur Stressbewältigung erlernen. „Resilienz bedeutet, Krisen zu bewältigen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen“, erklärt Carsten Albrecht, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Stabile Beziehungen, ausreichend Erholungsphasen, Bewegung und ein bewusster Umgang mit Belastungen stärken die psychische Widerstandskraft und helfen, Herausforderungen besser zu meistern.
Frühzeitig Hilfe annehmen
Soziale Medien, Leistungsdruck, Zukunftssorgen und globale Krisen verstärken bei vielen Jugendlichen das Gefühl dauerhafter Unsicherheit. Nicht jede belastende Phase führt jedoch zu einer psychischen Erkrankung. Wichtig sei, Warnsignale ernst zu nehmen und frühzeitig Unterstützung anzubieten – in der Familie, in der Schule oder durch professionelle Hilfe. Gespräche mit vertrauten Personen oder Beratungsstellen können bereits eine große Entlastung sein.
Wer lernt, Belastungen einzuordnen, eigene Stärken zu nutzen und Hilfe anzunehmen, schafft gute Voraussetzungen, psychisch gesund und selbstbewusst ins Erwachsenenleben zu starten.
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Foto: Julian Huke Photography




